Übermüdete Ärzte in jeder zweiten Klinik ohne Wasserbetten
Mediziner und Politiker schlagen Alarm: In einem Großteil der Krankenhäuser in NRW überschreiten Ärzte nach wie vor die gesetzlich zulässige Arbeitszeit.
Düsseldorf. „Das Risiko für Patienten, in einer lebensbedrohlichen Situation auf einen übermüdeten Arzt zu treffen, ist hoch”, warnt Stefan Romberg, Arzt und gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. „Es ist erschreckend, dass sich seit Inkrafttreten des Arbeitszeitgesetzes 2004 in vielen Krankenhäusern nichts an der Überstunden- und Arbeitsbelastung geändert hat“, sagt Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Im Frühjahr hatten bei einer Umfrage der Kammer unter Klinikärzten 70 Prozent angegeben, regelmäßig länger als die zulässigen zehn Stunden pro Tag zu arbeiten. Geändert hat sich laut Ärztekammer seither nichts. Im Gegenteil. „Die Leistungsverdichtung geht weiter”, so Ärztekammersprecher Volker Heiliger. Immer weniger Ärzte müssen in immer kürzerer Zeit immer mehr Patienten behandeln.” Romberg: „24-Stunden-Dienste bei Klinikärzten gibt es zuhauf.” Er geht davon aus, dass an mehr als der Hälfte der Krankenhäuser das Arbeitszeitgesetz nicht eingehalten wird. Gründe: Organisationsfehler, Geld- und Fachkräftemangel. In NRW fehlen etwa 1000 Ärzte an Kliniken. Prof. Gerald Holtmann, Ärztlicher Direktor des Uniklinikum Essen, hält die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes für extrem schwierig. „Es wird im Klinikbereich kaum jemanden geben, der das bereits perfekt umgesetzt hat.”
Die FDP-Fraktion wirft NRW-Arbeitsminister Laumann (CDU) vor, nicht energisch genug gegen Arbeitszeitverstöße an Kliniken vorzugehen. „Wenn Lkw-Fahrer ihre Lenkzeiten überschreiten, werden Bußgelder verhängt. An Krankenhäuser will er nicht ran”, so Romberg. „Seit 2007 gehen die Bezirksregierungen jedem Hinweis auf einen Arbeitszeitverstoß an Krankenhäusern nach”, sagt eine Arbeitsministeriumssprecherin. Pro Jahr würden etwa 20 Prozent der Kliniken überprüft. Bei 418 Krankenhäusern mit über 31 000 Ärzten in NRW gab es demnach seit 2007 nur zwölf Bußgeldverfahren, wegen zu langer Ärzte-Arbeitszeit. Lkw-Fahrer wurden in der Zeit in NRW 83 779 mal bestraft.







