"warum hörst Du nicht auf zu brüllen"

Schrei-Babys

Die FAZ berichtet online über die Probleme vieler schreiender Babys und den versuchten Lösungen wie Schrei-Ambulanzen im ganzen Land und der Meinung: „Klar ist, dass es keine Standardrezepte gibt“. Und dem Bewusstsein: „Die wichtigste Stellschraube, lernen Eltern im Kinderzentrum München, ist der Schlaf. Ausgeschlafene Kinder schreien nicht nur weniger. Sie schlafen auch besser ein. Hilfreich ist . . . „ alles Mögliche, nur nicht die so naheliegende Wassermatratze „aus Wasser geboren - auf Wasser gebettet! - Hart wie Stein - weich wie eine Wolke". Zahllose Babys (und Erwachsene) geniessen sie wortlos ohne Klagen. Augenscheinlich und unwiderlegbar: links Zwillinge ca. 1 Jahr „schreilos“ gemeinsam in einem Wasserbett aufgewachsen, dann der Wechsel zu getrennten Matratzen. Links das nach wie vor zufriedene Wasserbettenbaby, man beachte auch die Anpassung der Matratze an den Körper, rechts das Baby auf der neuen „trockenen“ Babymatratze mit „lauten Protesten“, und schnellem Entschluss der Eltern, für ein zweites Wasserbett zu sorgen. Arme Kinder, dumme Eltern, ignorante Mediziner Wer gute Wasserbetten halbwegs kennt, weiß wie sich Babys prompt auf Wasserbetten entspannen, „das Leben geniessen“ und das Beste für ihre positive Körperentwicklung erfahren. Das es kein Standardrezept gegen schreiende Kinder gäbe ist schlicht unwissend, ignorant oder gar dümmlich. Natürlicher und einfacher geht es nicht als aus Wasser geboren, und auf Wasser gebettet! Da passt der Kommentar aus Südamerika (siehe unten) wie den Nagel auf den Kopf getroffen: „bei uns muss man mit der Lupe suchen, um quängelnde, schreiende Babys zu finden, weil die Babys fast ununterbrochen am Körper getragen werden." Kuschelig, zart und warm wie auf einem Wasserbett. Wahnsinn, wie man so viel drum herum recherchieren, forschen, raten und schreiben kann, statt auf die natürlichste Sache der Welt zu kommen. der Artikel: Warum hörst du nicht auf zu brüllen? Die ultimative Erklärung, warum ein Säugling zum Schreibaby wird, hat die Medizin immer noch nicht. Wer hat Schuld? Diese Frage quält viele Eltern von Schreibabys oft mehr als das Gejammer des Kindes selbst. Was hatte sie sich auf ihr erstes Kind gefreut! Eine unkomplizierte Schwangerschaft, eine glückliche Beziehung. Ulrike kaufte einen gebrauchten Kinderwagen und hängte farbenfrohe Bilder von Schildkröten und Kühen in ein frisch gestrichenes Zimmer. Dann kam Bendix zur Welt. Die ersten 24 Stunden im Krankenhaus schlief er. „Ich habe das liebste Baby der Welt“, dachte Ulrike. Drei Tage später zu Hause fing Bendix an zu brüllen. Morgens. Mittags. Abends. Nachts. Und immer zwischendurch. Er wurde gestillt - und brüllte. Er wachte auf - und brüllte. Andere Babys gucken, quaken, quietschen, brabbeln. Bendix brüllte. Und das schon bald so schrill, so laut, dass Ulrike verstehen konnte, dass die Leute auf der Straße ihr nachschauten, als würde sie ihr Kind erwürgen, obwohl sie diese Blicke hasste und schleunigst das Weite suchte: „Da hätte ich auch geguckt.“ Der ultimative Alarm. Wenn ein Baby ständig schreit, kriegen Mütter zwei Sorten von Ratschlägen zu hören, die sich leider widersprechen. Die einen sagen: Dein Baby schreit, weil es Hilfe braucht. Beruhige dein Baby sofort, sonst nimmt es Schaden - und du bist eine schlechte Mutter. Die anderen sagen: Babys schreien halt mal, bleib cool. Wer es mit seiner Sorge übertreibt, ist eine Helikoptermutter und verzieht das Kind. Jedes vierte bis fünfte Baby wird zum Schreibaby „Hoffentlich wird es kein Schreikind“, raunen sich Schwangere in Geburtsvorbereitungskursen zu. Gemeint sind, definitionsgemäß, Säuglinge, die mehr als drei Stunden am Tag schreien, und das an mindestens drei Tagen in drei aufeinanderfolgenden Wochen. Jedes vierte bis fünfte Baby tut das. Warum? „Das ist die 200.000-Dollar-Frage“, sagt Dieter Wolke, Professor an der University of Warwick in England, der seit 30 Jahren zum Thema forscht. Fest steht inzwischen, dass es in höchstens zehn Prozent der Fälle an den gern bemühten Koliken oder anderen physiologischen Ursachen liegt, einer Unverträglichkeit gegen Milcheiweiß zum Beispiel oder Verrenkungen der Nackenwirbelsäule. Wolke zufolge gibt es Schreibabys in allen Kulturen, unabhängig vom Erziehungsstil. Je ängstlicher die Mutter, je weniger Selbstvertrauen sie habe, um so eher empfinde sie das Schreien als Problem. Tatsächlich jedoch bekämen erfahrene, gelassene Mütter genauso häufig Schreibabys wie Erstgebärende. Anpassungsschwierigkeiten, heißt es lapidar. „Der hat nichts“, sagte der Kinderarzt, auch als die Eltern Bendix wieder und wieder vorstellten. Sie ließ ihren Sohn in der Uniklinik untersuchen. Sie ging mit ihm zum Osteopathen. Sie sang für ihn. Kochte Einschlaftee, kippte beruhigende Zusätze ins Badewasser und verabreichte Globuli, die die Hebamme empfahl. Tagsüber schob sie stundenlang den Kinderwagen durch den Stadtwald oder schleppte das Baby in einem Tragesack vor den Bauch geschnallt herum. Nachts saß sie bei Bendix an der Wiege. Mit der einen Hand schaukelte sie das Kind, in der anderen hielt sie den laufenden Föhn, weil das Geräusch ihn beruhigte. Bei jeder Unterbrechung wachte Bendix auf. Und brüllte. Weil sie nicht mehr zum Essen kam, wog sie bald weniger als vor der Schwangerschaft. Bekam sie ausnahmsweise zwei Stunden Schlaf am Stück, fühlte sie sich erholt. Ihr Mann war beruflich viel unterwegs und durch den Stress im Job kaum belastbar. Und weil das Paar gerade die Stadt gewechselt hatte, waren Freunde rar, die Großeltern fern. „Man sieht, Ihr Kind ist irgendwie unzufrieden“ Aber „das Schlimmste war, dass ich mir die ganze Zeit die Schuld gegeben habe.“ Schon der Kinderarzt hatte gesagt: „Man sieht, Ihr Kind ist irgendwie unzufrieden.“ Warum bloß schaffte sie es nicht, Bendix zufriedenzustellen? „Du bist so nervös, der merkt deine Anspannung“, sagten Bekannte. „Wäre sie nicht so durch den Wind, würde Bendix weniger schreien“. Nach außen versuchte sie, ruhig zu wirken. In ihr stieg Panik auf. Konnte das Kind in sie hineinsehen? Ein Psychobaby, wie aus einem Horrorfilm? Hatte sie gar kein eigenes Leben mehr? Ob Bendix sie hasste? In den schlimmsten Momenten weinten alle drei, Vater, Mutter, Kind. Sie spürte, wie es sich in ihr zusammenkrampfte. Sie hatte Angst vor dem nächsten Gebrüll vor ihrem eigenen Kind. Eines Nachts, nach gefühlten 27 Stunden ohne Schlaf, schlug Sie in ihrer Verzweiflung ihren Kopf gegen die Zimmerwand. Am nächsten Tag rief sie in der Uniklinik an: „Ich brauche sofort Hilfe. Ich möchte mich und mein Kind einweisen lassen. Sonst springe ich aus dem Fenster.“ Die Sprechstunde für Schreibabys am Kinderzentrum München war bei ihrer Gründung vor 25 Jahren die erste in Deutschland. Heute gibt es in vielen Städten ähnliche Einrichtungen. Die Ärztin weiß, wie typisch das alles ist: Die zunehmend abstrusen, immer hektischeren Versuche, das schreiende Baby zu beruhigen. Die fehlende Unterstützung. Ohnmacht. Erschöpfung. Quälende Schuldgefühle. Kein Wunder dass manche Eltern aggressiv würden: „Es ist ganz wichtig, das nicht totzuschweigen.“ Mit manchen Kleinkindern kann man in die Disko gehen Alle Neugeborenen stehen vor der Herausforderung, sich selbst zu regulieren, indem sie etwa einen Tag- und Nachtrhythmus entwickeln und lernen, sich selbst zu beruhigen. Dafür brauchen sie die Unterstützung ihrer Eltern. Nun gibt es besonders sensible, reizempfindliche Kinder, die sich mit dieser Selbstregulierung schwerer tun. Und weil es in diesen Fällen auch für die Eltern schwieriger ist, Müdigkeit von Langeweile oder Hunger zu unterscheiden, verschärfen Ablenkungs- und Beruhigungsversuche die Lage oft. Denn je überreizter, übermüdeter, überforderter ein Baby ist, desto mehr schreit es - ein Teufelskreis. Psychologen sprechen von einer Interaktionsstörung. Weil diese Diagnose aber den Eltern viel Verantwortung aufbürdet, stellt Ziegler klar: „Es ist nicht in erster Linie der Fehler der Eltern. Es ist in der Regel so, dass die Kinder etwas mitbringen.“ Die wichtigste Botschaft zur Entlastung: Jedes Kind ist individuell verschieden, und die Norm ist breiter und variantenreicher, als das Ideal des pflegeleichten Bilderbuchbabys glauben macht. Es gibt Säuglinge, mit denen man tagsüber auf den Jahrmarkt und abends in die Disko gehen kann. Bei anderen reichen fünf Minuten Jahrmarkt - und man hat zwei Tage Gebrüll. „Eltern wachsen oft mit der Illusion auf, dass sie für die Entwicklung ihrer Kinder verantwortlich sind“, sagt Experte Wolke von der University of Warwick. Und: „Ein einfaches Kind erziehen kann jeder.“ Mit den schwierigen kann man sich Hilfe suchen. Tipp von der Expertin: Ohrstöpsel und Walkman Die wichtigste Stellschraube, lernen Eltern im Kinderzentrum München, ist der Schlaf. Ausgeschlafene Kinder schreien nicht nur weniger. Sie schlafen auch besser ein. Hilfreich ist ein abgedunkelter, einigermaßen ruhiger Raum. Und weniger ist mehr: Ständig wechselnde Einschlafhilfen, vom Pezziball über die Spieluhr bis hin zum Maxicosi auf der ruckelnden Waschmaschine, setzen ständig neue Reize. Besser zehn, vielleicht gar zwanzig Minuten bei derselben Methode bleiben. Klar ist, dass es keine Standardrezepte gibt. ? So unterschiedlich wie die Kinder sind schließlich auch die Eltern. Wo die einen traumatische Vorbelastungen aufarbeiten müssen, hilft anderen schon der pragmatische Tipp, das schreiende Kind für zwei Stunden an die Schwiegermutter abzugeben. Auf die ewige Streitfrage, ob Babygeschrei um jeden Preis gestillt werden müsse oder vielleicht doch manchmal zumutbar, vielleicht sogar nötig sein könne, um dem Baby ein neues Verhaltensmuster beizubringen, gibt es ohnehin keine pauschale Antwort. ??? Der Zauber des Anfangs vergeht zu schnell Zwei Grundsätze allerdings bieten Orientierung. Im ersten halben Lebensjahr könne man Babys nicht verwöhnen, sagt die Fachfrau des Kinderzentrums München. Und auch danach würde sie nicht empfehlen, das Kind, wie manche Ratgeber empfehlen, über längere Zeit kontrolliert schreien zu lassen, damit es sich selbst beruhigen lerne. Natürlich, sagt die Ärztin, könne und müsse man Babys manchmal etwas abverlangen, schon allein, weil auch die elterlichen Bedürfnisse ihre Berechtigung hätten. Wichtig sei jedoch, das Kind mit seinem Frust nicht allein zu lassen. Die genervte Mutter fand Hilfe in der Schreiambulanz ihrer Stadt. Rückblickend sagt sie, sie hätte früher dort anrufen sollen. Endlich gab es jemanden, der zu ihr sagte: „Es ist ganz klar, dass das für Sie der absolute Horror ist. Wir müssen gucken, dass es Ihnen besser geht.“ Kommentar: Wie schrecklich. Da kommen Kinder zur Welt und schreien wie verrueckt. Hans Georgius 8 (guatuso) - Ein deutscher Arzt, der in Spanien lebt, schrieb, dass ihm auffiel, dass es dort fast keine schreiende quengelnde Kinder gibt. Und bei uns, in Lateinamerika, muss man schon mit der Lupe suchen, um so ein Baby zu finden. Hier werden die Kinder Tag und Nacht am Leib der Mutter gehalten, es wird ueberall mitgenommen, zum Einkauf und im Bus, und am Leib getragen, geschauckelt, es bekommt taeglich einen nahezu vollstaendigen Liebeskontakt zur Koerperlichkeit der Mama. Und es schlaeft im Zimmer der Eltern. Ganz nah, dort wo eigentlich Liebe ist. In Lateinamerika sind Kinder Geschenke Gottes und keine im Lebensplan eingeordnete Nachkommen, darum koennen auch 16 jaehrige Maedchen mit Freude ein Kind bekommen, was ihr ja so verachtet. Und so gut wie alle Frauen hier freuen sich und diese Freude wird auf das Baby uebertragen. Vielleicht sollte man mal von der gesellschaftlichen Kinderliebe ausgehen, die auf die Seele des Kindes wirkt, anstatt von Ohrstoepseln. Liebeshunger laesst schreien.