Ich möchte ein wirklich stattgefundenes Beispiel mit Ihnen besprechen: Dabei sehen Sie, wie die Stressreaktion (Adrenalin und Cortisol, siehe Abb.) verläuft. Und dieses Beispiel ist ganz ganz interessant, denn einige von Ihnen werden genau das heute Nachmittag machen. An der Universität Mannheim hat vor einigen Jahren ein deutscher Professor, Manfred Schedlowsky, mit einigen seiner Studenten einen Versuch durchgeführt. Er hat Ihnen angekündigt: "Ihr werdet in 14 Tagen einen Tandem-Sprung machen aus einem Flugzeug".  Für manche: "Na ja…", für andere: "Hey, geil! Fantastisch! Wollte ich immer schon mal machen", und wieder für andere: "Nein, mach ich nicht". 48 Stundenten haben letztendlich einen Fallschirmsprung gemacht. Interessant ist, dass bei der Ankündigung des Sprunges nicht das Stresshormon Adrenalin in die Höhe geht, (Herzklopfen, etc.), sondern wir schütten erst das Regulationshormon Cortisol aus. Erst, wenn es die Studenten in den Fliegersteigen, steigt ebenfalls das Adrenalin. Und wenn es dann oben aus der Luke heraus geht, dann finden Sie den höchsten Adrenalin-Ausstoß schlechthin. Das hat man kontinuierlich in der Blutbahn gemessen. Und nach einigen Minuten merkt man "Hey, das Ding trägt mich ja" und man fängt an zu genießen und herum zu schauen. In diesem Augenblich geht sofort der Adrenalinspiegel herunter, aber dafür steigt allmählich der Cortisol-Spiegel. Cortisol ist also der Reguilator für Langzeit-Stress. Aber genau hier spielt uns unser Großhirn einen Streich!


Wir können denken und uns Sorgen machen, und damit den Cortisol-Spiegel ständig hochhalten. Was das aber für Ihr Immunsystem bedeutet - diese Abbildung haben einige von Ihnen im letzten Jahr auch schon gesehen - kann man messen, wenn man Personen mit sehr viel Cortisol vergleicht mit Menschen, die durch korrektes Regenerationsverhalten regeneratieve Hormonen produzieren. Die letztere Gruppehat ein deutlich leistungsfähigeres Immunsystem!  Diejenige, die ständig unter Stress stehen, haben ein eindeutig schlechter funktionierendes Immunsystem. Aber ein schlecht funktionierendes Immunsystem bedeutet auf lange Sicht: Ich werde krank.

Eine ganz wichtige Rolle bei dieser Immun-Antwort spielt unsere Kuschel-Hormone, die Endorphine. Endorphine können, wenn sie regelmäßig produziert werden, das Immunsystem richtig stark stark machen.
Wann produziert der Mensch Endorphine? Nun, das ist ganz einfach; erstens in Situationen, in denen wir "Soziale Einbindung" wahrnehmen, das bedeutet zum Beispiel, ich streichele meinen Partner, oder ich belohne sozial. Spannend genug, auch Menschen, die regelmäßig beten, die sich also in einem vertrauengebenden System eingebettet wissen, werden weniger häufig Krank, weil - so wurde gemessen - sie wesentlich mehr und häufiger Endorphine produzieren.



Endorphine helfen uns auch in schwierigen Situationen zu überleben. Zum Beispiel, wenn ich regelmäßig längere Strecken gehe oder laufe, erfahre ich die Endorphine als "Runner's High". Man kann nach diesen Endorphinen sogar süchtig werden, wie der Name "Endo-Morphine" schon deutlich macht: Endorphin-Sucht ist zum Beispiel auch der stetige Hang nach Süßem, oder Sexsucht. Lustig genug, auch Lachen gehört zu den besten Methoden, Endorphine zu produzieren. Was hat aber Lachen mit Überleben zutun? Was wir heute so machen (grinst), war früher eine Drohgebärde (fletscht die Zähne). Aus dem Zähne fletschen ist Grinsen geworden. Aber für meinen Körper ist Lachen immer noch die alte Drohgebärde. Denn wir passen uns nur sehr langsam neuen Umständen an. Wir wissen heute, dass sich unsere Gene anpassen mit - erschrecken Sie bitte nicht - nur einem halben Prozent pro Million Jahre. Also sind wir immer noch Menschen von vor Millionen von Jahren.


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