Gehirn-Entgiftung im Schlaf

Wozu schlafen wir eigentlich? Man ist hilflos Feinden ausgeliefert und verliert Zeit. Aber wie schon der Volksmund sagt: Schlaf ist die beste Medizin. Forscher finden nun heraus, dass das Gehirn im Schlaf Abfall entsorgt - und die „grauen Zellen“ schrumpfen.

Eine neue Studie von US-Forschern zeigt, dass das Gehirn auch eine Menge „Müll“ entsorgt, während wir schlafen, wie die US-Fachzeitschrift „Science“ berichtete. Durch diese einzigartige Methode der Abfallbeseitigung wird das Hirn unter anderem von Giftstoffen befreit, die verantwortlich sind für Alzheimer und andere neurologische Störungen. Außerdem fanden die Forscher um Maiken Nedergaard von der Universität Rochester heraus, dass die Gehirnzellen während des Schlafes um 60 Prozent „schrumpfen“. Dadurch könne der zelluläre Abfall noch effizienter beseitigt werden.

Schlaf birgt auch Gefahren
Die Frage, welchem Zweck der Schlaf dient, fesselt Philosophen und Wissenschaftler seit der Zeit der alten Griechen. Fast jedes Tier - von der Fruchtfliege bis zum Wal - schläft in irgendeiner Weise. Dabei hat Schlaf auch Nachteile, vor allem wenn Raubtiere lauern. Also nahm man an, dass die Ruhephase eine wichtige biologische Funktion erfüllen musste. Schon länger ist bekannt, dass durch den Schlaf unter anderem Erinnerungen besser gespeichert werden. Das Team um Neder-gaard hat nun nach eigenen Angaben ein bislang unbekanntes System der Beseitigung von Abfallprodukten der Zellen entdeckt, das für das Gehirn zuständig ist. Im restlichen Körper erledigt dies das Lymphsystem, welches sich wegen der Blut-Hirn-Schranke nicht auf das Gehirn erstreckt.


Hoffnung für Alzheimer-Behandlung

Bislang hatten die Forscher darüber gerätselt, wie das Gehirn den zellulären Müll entsorgt - vor allem weil solche Prozesse nur am lebenden Objekt beobachtet werden können. Dies ist erst in den vergangenen Jahren durch neue bildgebende Verfahren möglich geworden. Mit deren Hilfe konnten die Forscher nun an Mäusen das System identifizieren, das dafür sorgt, dass der Zellmüll aus dem Gehirn in den Blutkreislauf und schließlich in die Leber gelangt, wie „Science“ berichtete. Forscher hoffen nun darauf, dass diese Erkenntnisse neue Wege zur Behandlung von Alzheimer und ähnlichen Erkrankungen eröffnen. Grundsätzlich wird daran appelliert, sich mehr Gedanken über die Qualität des eigenen Schlafs zu machen, sprich ein optimales Schlaffeld zu schaffen. Leider geben die überwiegend katastrophalen Matratzen unserer Konsumlandschaft Grund zur Sorge über vernünftige Schlafgewohnheiten. Längst bekannt sind die zahlreichen physischen und psychischen Vorteile guter Wasserbetten. Dennoch liegt die Akzeptanz noch bei kleinen Minderheiten, die persönlich gegen den „Mainstream“ der großen Märkte mit schlechten Produkten andenken.